Was wäre Weihnachten ohne die Familie…viel zu harmonisch. Friede, Stille und Besinnlichkeit, das will doch, wenn wir ehrlich sind, keiner. Weihnachten steht für viel zu viel Essen, sinnlose Geschenke und Dramen. Und wenn es sich nicht um kleine Tragödien handelt, dann werden zumindest die Nerven ganz schön strapaziert.

Als Kind hat es damit begonnen, dass ein Freiwilliger, meistens war das die liebe Mutter, das Glöckchen, das eigens für diesen Tag besorgt wurde, läuten ließ und damit signalisierte, dass der schöne Christbaum bestaunt werden durfte. Als 5-Jährige habe ich mich natürlich nicht für die komisch aussehende Tanne interessiert, sondern wollte einen Blick auf das Christkind erhaschen, damit ich im Kindergarten mit dem Gesehenen angeben konnte. Doch jedes Jahr aufs Neue war die Balkontür offen und der Vorhang wehte – wie durch Zauberhand – in das Zimmer hinein. „Oh wie schade, jetzt ist das liebe Christkind auch schon weg. Aber das musst du verstehen liebe Nina, das hat heute sooooo viel zu tun, da kann es nicht ewig hier bleiben.“ Tränen wurden unterdrückt, die Nerven waren im Keller, „Nächstes Jahr müsst ihr es fangen“, wurde gedacht.

Jetzt, da man älter ist, weiß man, dass jegliches Hineinstürmen in das Zimmer zwecklos ist. Jetzt bringen einen andere Dinge zur Verzweiflung. Dies beginnt schon bei den Weihnachtsliedern. Keiner kann den Text und dennoch wird man gezwungen die geschmacklosen, ohrwurmbereitenden Gesangsstücke, die ganz ohne Zutun im Advent todgehört wurden, lauthals mit zu grölen. Mehr als ein Grölen ist nicht drinnen. Die liebe Frau Mama ist da natürlich nicht befriedigt, denn eigentlich hat sie sich einen engelsgleichen Gesang erhofft, der direkt aus dem Herzen emporsteigt. Naja,  Talent kann man sich halt nicht aussuchen, das hat man, oder eben nicht. In meinem Fall: oder nicht.

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Weiter geht es mit dem Essen. Fisch kommt auf den Tisch. Der Gedanke kommt auf, dass der Fisch und einige andere den Abend wahrscheinlich lieber anders verbracht hätten. Bei Wein wird dann über das Essen diskutiert und mit der Zeit wird alles lustiger. Das könnte natürlich auch an der nicht zu verachtenden Menge „Traubensaft” liegen. Während des gesamten Festmahls sieht man die Geschenke im Augenwinkel. Es wird auch versucht, sie nie aus dem Blickfeld entkommen zu lassen, in einem unaufmerksamen Moment könnte ja eines abhanden kommen…einfach weg, verloren, oder gar gestohlen. Das wäre schrecklich und das wahre Weihnachtselend, denn, auch wenn jeder behauptet „Weihnachten ist das Fest der Liebe; sich einfach mit Menschen umgeben, die man mag, das ist der Zauber!“, so wäre dieser Tag nur einen Bruchteil so toll wie er ist, wenn keine Geschenke unter dem Baum liegen würden.

Oftmals geht es hierbei aber um den Überraschungseffekt und das Adrenalin, das man verspürt, bevor man das Geschenkpapier mit beiden Händen gewaltvoll von dem Inhalt trennt, als um das eigentliche Präsent. Denn Socken wärmen zwar die Füße und haben dadurch schon irgendwie ihre Daseinsberechtigung, aber gleichzeitig habe ich im Moment des Erblickens keine Kontrolle über meine Mimik: ein höfliches Lächeln gepaart mit bitterer Enttäuschung. Ich, als wohlerzogenes Kind, hoffe dann, dass meine Mundwinkel nach oben zeigen und die vorgetäuschte Freude Überhand gewinnt. Aber auf jeden Fall höre ich mich „Danke“ sagen.

Das nächste Geschenk ist quadratisch und flach…bestimmt eine CD. Doch welche kann das sein? Ich habe doch gar keinen Musikgeschmack! Ich lasse mich immer nur sinnlos vom Radio berieseln…laut und meistens während ich alleine mit dem Auto fahre. Diesmal ist es eine Best of CD eines Radiosenders. Damit kann man doch gar nicht falsch liegen, das höre ich ja schließlich jeden Tag. „Danke“ höre ich mich sagen.

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Auch ich habe den Liebstes etwas besorgt. Natürlich hat es geheißen: „Wir brauchen nichts. Wirklich nicht, Nina!“ oder „Wieso lassen wir das heuer nicht mit den Geschenken? Einfach nur gemütlich beisammen sitzen.“ Aber darauf habe ich mich erst gar nicht eingelassen. Zuerst heißt es, wir schenken nichts und dann stehe ich mit einem Paket Socken in der Hand da. Ich will nicht die Doofe sein, die mit leeren Händen auftaucht und so finde auch ich mich jeden Winter verplant und total gestresst auf der Mariahilfer Straße wieder. Noch unvorbereiteter wirken nur die Familienväter, die kopfschüttelnd vor den Schaufenstern stehen. Sie wissen nämlich genau, dass mit ihren Ehefrauen nicht zu scherzen ist. Denn die vergessen rein gar nichts. Noch heute wird
über das Geschenk, das vor drei Jahren liebevoll ausgewählt wurde, diskutiert…ein Wischmob mit passendem Kübel.

Doch im Endeffekt darf man sich gar nicht beschweren. Wir haben das ganze Paket – Familie, Freunde und all die anderen, die Weihnachten zu einem ganz besonderen Fest machen. Sie machen das Leben zu einem glücklichen und im Nachhinein sind all die tragischen und irrwitzigen Geschichten zum Todlachen.

Somit wünsche ich euch ein frohes Fest und ein paar Wollsocken, die euch in der kalten Jahreszeit die Füße wärmen.

von Nina Haden von the ladies

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